Interview – Partysan NRW
date: 02.03.06
TODD BODINE
LANGSAMER UND SUBTILER.

Es waren diese beiden Adjektive, die der dreißigjährige Producer und DJ aus Gesprächen mit dem Detroiter Technolegionär Daniel Bell mit ins eigene Studio nahm, zu einer Zeit als er noch vornehmlich energische Technostomper durch die Anlage des Tresor Clubs jagte. Mit seinem Debütalbum "Surfaces" positioniert sich der sympathische Berliner nun endgültig auf der traditionellen Linie des puristisch gehaltenen Minimalismus, wo er nach wie vor die eine oder andere Nische findet, die entdeckt und gründlich ausgeleuchtet werden will.

Partysan: Unter dem Suchbegriff Todd Bodine stößt man auf den ersten fünf Suchseiten im Internet auf einen mehr oder minder berühmten amerikanischen Rennfahrer. Was habt ihr gemeinsam?

Todd Bodine: Nix, der Typ tauchte nach mir auf. (lacht) Im Grunde kam das so: In der Zeit als das mit Tresor anfing, sagte man mir, dass ich jetzt erstmal einen vernünftigen Künstlernamen bräuchte. Innerhalb einer Woche sollte ich mir einen Namen ausdenken, der etwas suggeriert und im besten Falle eine Welt auftut, die andere vielleicht als erstrebenswert ansehen. Und da dachte ich, ein amerikanisch klingender Name wäre schon cool. Ich habe dann zufällig ein NASCAR Rennen [Rennserie i.d. USA, Red.] im TV gesehen, wo ein Fahrer Bodine hieß - und das war´s. Den Vornamen habe ich selbst gewählt, ohne zu wissen,
dass dieser Bodine einen Sohn namens Todd hat, der vor vier Jahren schließlich auch in den Rennsport eingestiegen ist. Zuerst habe ich einen Schreck bekommen, aber heute ist mir das egal.

Dein erster Track wurde vor über sechs Jahren veröffentlicht. Wieso hast du dir mit dem Debütalbum so lange Zeit gelassen - wenn man jetzt mal von "Different Engines" auf Morris Audio absieht.

Es gab nie die Möglichkeit. Und es gab keine Plattform. Es war nicht so, dass ich damals zu Tresor gegangen bin und gesagt habe: "Hey, hier sind Tracks von mir, hört euch die mal an.` Mein erster Track erschien auf der Headquarters CD und ich war schon erstaunt, dass die Leute bei Tresor ihn so gut fanden. Daraufhin habe ich ne CD mit mehreren Tracks abgegeben und so baute sich das Verhältnis Stück für Stück auf. Wir haben über die Jahre dann einige Tracks gesammelt".

Wie viele Tracks auf "Surfaces" sind demnach bereits releast und wie viele neu?

Es sind sechs veröffentlichte Stücke drauf, sprich die aktuelle Maxi und die von Anfang Oktober. Wobei ich die drei Tracks der Oktober-Maxi komplett überarbeitet habe. Man findet ja nach ein paar Monaten immer etwas, was zu verbessern ist - und so habe ich die Album-Edits gemacht. Für die Leute die das Vinyl besitzen ist es so ja auch viel interessanter. Die restlichen fünf Titel sind neu.

Deine Tracks haben durchweg einen minimalistischen Touch, aber jetzt nicht in diesem aktuellen Acid-Funkhouse-Kontext, sondern scheinen eher der etwas roher belassenen Machart a la Detroit verbunden.

Ja, das ist meine Art. Ich bin nicht so der DSP-Freak. Ich habe lieber ne Drum Machine und nen Synthie den ich liebe und versuche da alles rauszukitzeln. Den Rest mache ich am Rechner. Ich versuche immer, die Sachen so pur wie möglich zu halten, da ich finde, dass es nicht viel zusätzlichen Charakter bringt, wenn Du Soundgewitter einbaust. Es ist jetzt nicht so, dass ich so was nicht gut finde, aber ich muss es nicht auch noch machen. Die Töne sollen hier einfach für sich sprechen und der Sound durch das Puristische rocken. Das ist mein Hintergrund.

Richtest du dich beim Produzieren nach einem eigens auferlegten "Styleguide"?

Absolut nicht. Ich gehe oft ins Studio ohne ein bestimmtes Ziel zu haben und lasse mich auch gerne mal treiben. Was natürlich schwierig ist, wenn Du ein Album machen sollst. Da bleibt viel Trackmaterial auf der Strecke, bis man letztlich den Pool zusammen hat, den man beim Label abgeben kann.

Was passiert mit dem übrig gebliebenen Trackmaterial. Eine Art Legokiste für neue Tracks?

Nein, das mache ich zum Beispiel gar nicht. Wenn ich etwas als nicht gut genug empfinde, dann liegt es einfach da auf der Festplatte und fertig. Wenn ich einen Track jedoch mag und er mich auf den nächsten Tag im Studio freuen lässt, dann mache ich ihn auch innerhalb von drei, vier Tagen fertig. Ansonsten glaube ich, dass jeder Musiker für sich einiges an Ausschuss produziert – und das muss wohl auch so sein.

Das was durchkommt, wirkt meines Erachtens stets sehr geradlinig - im Falle von "Surfaces" beinahe schon konzeptionell. Ist das vielleicht auch ein Stück weit dem jeweiligen Labeltaste geschuldet oder nimmst du auf solche Befindlichkeiten keine Rücksicht?

Ich glaube es liegt eher an meiner Produktionsweise. Ich geh jetzt nicht ran und sage: Ich habe ein Album zu produzieren, jetzt lege ich mir erst mal einen Soundpool an und bau darauf dreizehn Stücke auf. Es ist eher so, das ich mit einem bestimmten Gefühl ins Studio gehe und dabei irgendwann ein bestimmter Sound raus kommt. Das variiert natürlich - mal ist es housiger, mal ist es mehr Techno. Ich gebe die Stücke dann beim Label ab und entweder sie gefallen, oder auch nicht. Wenn sie nicht gefallen, dann mache ich neue und biete sie noch mal an.

Du stellst dich dann also schon dem Diskurs und änderst auch mal Dinge ab.

Ja, klar. Was ich nicht mache, ist das Ding: "Ok, wir haben hier ein Stück,
lass uns drüber reden. Das geht nicht und das macht glaube ich auch niemand. Ein Label sollte hier auch nicht eingreifen, denn der Künstler hat sich dabei ja was gedacht. Dann heißt es Top oder Flop - da gibt´s nicht viel dazwischen.

Laut Biografie stehst du auch auf Jazz und NuJazz, was sich aber auf dein bis dato veröffentlichtes Material kaum durchschlägt.

Sagen wir mal so, ich mache in die Richtung nichts mehr. Früher habe ich mit Daniel Paul vom Sonar Kollektiv musiziert, war anfänglich viel in seinem Studio und da nimmst du natürlich einiges an musikalischen Eindrücken mit. Er und die Jazzanova Clique haben mir ein wenig die Jazzwelt eröffnet - was es da für abgefahrene, geile Musik gibt! Ich nehme mir da auch heute gerne noch ein paar Sachen raus. Jazz hat ja stellenweise auch echt Loop-Charakter, wenn man da diverse Stellen rausgreifen und loopen würde – das wäre reiner Techno. Manchmal nimmst du auch eine kleine Melodie mit ins Studio – aber es ist für
mich jetzt nicht die Inspirationsquelle schlechthin.

Spielst du ein Instrument?

Na ja, nicht der Rede wert. Ich kann ein paar Akkorde auf dem Klavier spielen und dazu ein paar Noten lesen – wie die meisten Produzenten elektronischer Musik. Manchmal ärgert mich das mit dem Klavierspiel. Damit kannst du den Prozess des Musizierens einfach besser steuern. Vielleicht lerne ich es ja noch. Aber oftmals ist es auch so, dass beim Lernen klassischer Musik ein wenig das Kind in einem zerstört wird und man nicht mehr so unbefangen an Musik rangehen kann. Man akzeptiert Regeln. Aber es ist doch gerade Sinn und Zweck der elektronischen Musik Regeln zu brechen.

War es dir demnach nie ein Anliegen, unterschiedliche Ansätze auf einem Album zu vereinen? Dich von noch mehr Seiten zu zeigen?

Noch ist es ja nicht ausgereizt. Ich finde immer wieder eine Nische in der ich Sachen entdecke, die mich interessieren. Ich komme vom relativ harten Techno a la Jeff Mills und habe früher auch nur so aufgelegt, bis ich dann Leute wie Dan Bell kennen gelernt habe, die mir gezeigt haben, dass es auch anders geht. Nämlich a) etwas langsamer und b) etwas subtiler. Das ist ein Lernprozess, du lernst die eine Welt kennen, dann wieder eine andere - und so lange es für dich selbst nicht in der Sackgasse endet ist alles offene Spielwiese. Aber vielleicht lasse ich mich ja irgendwann auf den Dreivierteltakt ein und mache Salsa, Tango und
orientalische Sitarmusik.

Ja genau, ich sperre mich irgendwo in Indien inne Berghütte. (lacht) Nee, wenn man sich mal Richie Hawtin anschaut, der führt im Grunde immer noch dieselbe Richtung und findet es mit Sicherheit auch nicht uninteressant - sonst würde er es wohl kaum machen. Es gibt immer noch viel zu entdecken.

Welche Künstler haben sonst noch Einfluss auf dich gehabt?

Es ist anfänglich schon sehr Berlin geprägt. Damals hatte man hier ein paar Detroiter gesehen, Rob Hood und Jeff Mills, da ist man als Zwanzigjähriger natürlich schwer begeistert. So richtig geprägt haben mich aber die Cabinet Leute und allen voran DJ Zky, was der beim Auflegen mit den Platten gemacht hat abgefahren. Später dann Daniel Bell, auch weil ich ihn persönlich kennen lernen durfte. Da kommt man an die Materie ganz anders ran und lernt dazu den Menschen dahinter kennen. Dann wie gesagt - Richie Hawtin, der es schafft, mit kleinsten Mitteln einen Laden auseinander brechen zu lassen. Weniger ist da
mehr – wie eigentlich berall. Das sind Sachen die mich beeindrucken.

Wie darf man sich das mit deiner eigenen Karriere vorstellen. Lässt du die Dinge gerne passieren oder schaust du aus eigenem Antrieb heraus weiter zu kommen?

Es geht alles sehr kontinuierlich. Ich bin nun nicht das "one hit wonder", das DIE Platte gemacht hat - glaube aber, dass einen genau das weiter bringt. Einfach weil man das Business und seine Methoden besser kennen lernen kann. Was zu tun ist um erfolgreich zu sein. Wobei ich nie mit dem Gedanken rangegangen bin: "Du musst jetzt dein Geld damit verdienen, du musst das jetzt schaffen, du musst zu der und der After Hour gehen um die und die Leute kennen zu lernen." Über Freunde von Freunden kommt man hier und da ins Gespräch und alles entwickelt sich – aber nie auf Krampf.

Wie kamst du zum Auflegen? Und was hat dich daran gereizt?

Ich fand es cool da oben zu stehen. Du hast eine gewisse Macht, oder besser gesagt, du bewegst Menschen mehr oder weniger nach deinem Willen. Und das ist glaube ich für jeden faszinierend. Ich habe zunächst Techno aufgelegt, allein durch die Jungs von Cabinet, deren erste Platten schon ganz schöne Stomper waren. Aber ´95/´96 kam ich an den Punkt, wo ich feststellen musste, das House auch sehr interessant sein kann. Ich habe dann zwei Jahre lang nur Vocal und Disco House gespielt. Danach kam in mir so der Gedanke auf - "Nee, das kann´s nicht gewesen sein" - und bin dann wieder auf Techno zurückgekommen. Das war für mich vom Gefühl her einfach beständiger. Label wie Red Planet, Axis, Tresor – die Detroit Sachen eben. Octave One haben mich mächtig angefixt. Sehr coole Jungs, habe ich erst kürzlich kennen gelernt. Das war für mich Soul. Technosoul.

Bist du schon vor der Wende mit elektronischer Musik in Berührung gekommen?

Wenn es das gab, dann nur in irgendwelchen Kellern - und da war ich noch zu jung für. Für mich ging es erst ´92/´93 los. Da geht man mal zur Love Parade, ein Kumpel nimmt einen noch dahin und dorthin mit - aber es gibt jetzt keinen definitiven Zeitpunkt wo ich sagen könnte, ab da hat es mich gepackt. Aber gerade in Berlin ähneln sich die Biografien wie man zur elektronischen Musik gekommen ist doch sehr, das findest du in anderen Großstädten kaum. In Frankfurt vielleicht noch durchs Omen, aber hier ist es perfekt gewesen.

Eine Zeit, in der Mythenbildung im Technobusiness noch Konjunktur hatte

Klar. Ich glaube, dass die Generation nach mir Leute wie Juan Atkins schon gar nicht mehr kennt. Oder all die anderen die Techno groß gemacht haben. Ich habe mich noch intensiv mit der Thematik beschäftigt. Wer hat in Detroit oder Chicago die erste Drummachine gehabt und solche Sachen. Man bastelt sich da so sein eigenes Bild, verstärkt von Zeitschriften wie der Frontpage, die sich ausgiebig mit der Thematik beschäftigten. Ich wollte einfach wissen wo das alles herkommt.

Man misst sich dann ja auch automatisch mit anderen Künstlern. Legst du Wert auf konstruktive Kritik?

Schon. Ich erwarte auch von jedem dem ich eine Promo in die Hand
drücke, dass er mir sagt wie er sie findet. Ich schenke jemandem etwas von mir und würde dafür gerne erfahren, was dieser Jemand darüber denkt. Manchmal ist man sich halt selbst nicht sicher. Und gerade bei Platten die veröffentlicht wurden, finde ich es immens wichtig Feedback zu bekommen. Ich lese auch super gerne Plattenkritiken von mir. Ob diese positiv oder negativ sind spielt keine Rolle. Da hat sich jemand Gedanken gemacht und dem muss man einfach Respekt zollen.

Aber vom Platten produzieren alleine kannst du nicht leben, oder?

Nein, dazu spiele ich noch nicht oft genug. Aber dadurch bin etwas freier und kann auch schon mal Sachen ablehnen, die entweder zu kommerziell sind oder wo ich mich nicht genügend repräsentiert sehe. Ich lege gerne für wenig Geld in Bars auf, wenn die Stimmung stimmt. Das kannst Du dir aber nicht leisten, wenn du davon leben musst.

Spielst du eigentlich auch live?

Noch nicht, ich bin aber gerade dabei. Es dauert ewig, bis man für sich ein funktionierendes Setup findet. Und natürlich einen Plan entwickelt hat, wie man seine Stücke live am besten umsetzen kann. Das ist nicht so einfach und kostet unheimlich viel Vorbereitungszeit. Ein halbes Jahr wird es schon noch brauchen.

Wie wird das in ungefähr aussehen?

Rechnergestützt, klar - aber ich brauch auch Knöpfe. Vielleicht ein paar
externe Synthies, da gibt´s ja schöne kleine Sachen zum mitnehmen. Sich nur mit dem Laptop hinstellen macht für mich keinen Sinn, das wäre in meinen Augen Geld abzocken. Du musst ne Show bieten und nicht aussehen als ob ne CD läuft und du grade Tetris spielst...
Interview - De:Bug
date: 13.02.06
Minimal: Todd Bodine

Berliner Housemusik braucht nichts weniger als Stylefanatismus und neuen Freestylefetischismus, sondern kann sich, wie Todd Bodine beweist, ständig im Stillen weiterentwickeln und seine Netze von Label zu Label immer weiter spinnen.

Die Langsamkeit des Seins
Todd Bodine

Der gemeine Tech-Houser muss schon ganz schön strampeln, um wahrgenommen zu werden. Die Karten sind ausgeteilt und die besten Plätze besetzt. Etablierte Netzwerke wie die Minimal-Bande Perlon oder Cutup-Ikonen wie Akufen haben es sich in den ersten Rängen bequem gemacht und legen genüsslich Füße und Messlatten hoch. Zusätzlich zieht einem Label- und Releaseflut den Boden unter den Füßen weg und man hat auch noch die Puristen-Horde auf den Fersen und die erklärten Tech-House-Hasser im Nacken. "Tech-House, äh, war das nicht der Trend vor Electroclash?" Wenn man dann noch bescheiden auftritt, muss man schon mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen und sich an gewachsenen Netzwerken gut festhalten, damit einem nicht die Felle wegschwimmen.

Naja, ganz so schlimm ist es nicht und im Windschatten lässt es sich ja auch gut leben, im Sinne eines musikalischen Nachtschattengewächses, das nicht unbedingt die pralle Aufmerksamkeitssonne braucht, um Früchte hervorzubringen. Todd Bodine ist so ein Fall. Der 27-jährige Berliner ist seit 1997 als Resident in Tresor und Globus aktiv und releaste seine ersten Tracks zusammen mit seinem musikalischen Mentor Daniel Paul vom Berliner Label Cabinet auf Seasons Recordings bereits 1999, worauf Platten auf Rampe D, Cabinet und unlängst auch auf Highgrade, Tongut und Morris Audio City Sport folgten. Trotzdem trifft man bei der Frage nach Todd Bodine selbst bei House-Spezialisten auf fragende Blicke und skeptisches Stirnrunzeln. Wer bitte? Ja, Todd Bodine.

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass man beim Eingeben des Namens in Google mit patriotischen Nascar-Racing-Seiten konfrontiert wird, da der anscheinend höchst erfolgreiche Rennfahrer gleichen Namens sich im Gegensatz zum Berliner Todd Bodine allergrößter Aufmerksamkeit erfreut. "Damals war es nicht so angesagt, bürgerliche Namen zu nehmen wie heute. Ich hab ihn aus dem Spiel 'Nascar Racing' aus zwei Namen zusammengebastelt, den Rennfahrer Todd Bodine gab's damals noch gar nicht. Und dann tauchte irgendwann mal dieser Typ auf. Ich wollte eigentlich einen Namen, den man nicht einschätzen kann." Doch während sich diese Verwirrung eher auf Fans von Autorennen beschränken wird, dürfte Todd Bodine mit seiner überbordenden Bescheidenheit voll das Stereotyp des Minimal-House-Produzenten bedienen, der gerne positives Feedback in Kauf nimmt, ansonsten aber niemanden mit marktschreierischem Auftreten penetrieren will: "Ich bin einfach nicht der Typ, der sich hinstellt und sagt: 'Hallo, da bin ich.' Deswegen bin ich auch vielleicht nicht da, wo manche andere jetzt sind. Mir tut aber genau dieser Weg gut, ich will es lieber langsam angehen und in diese Sache reinleben. Es gibt zwar Leute, die releasen auf tausenden von Labels. Aber ob die sie dann auch 100%ig repräsentieren? Dann ist man halt ein Artist unter vielen. Was ich z.B. total gut finde, ist eine kleine Gruppe Leute wie die vom Sonarkollektiv, die ein Musikverständnis teilen und zusammenarbeiten, ohne sich abzuschotten, das fehlt mir gerade im Minimal- oder Tech-House-Bereich. Manchmal scheint viel Zeit zu vergehen, bis bei mir wieder was passiert. Aber rückblickend würde ich schon sagen, dass es kontinuierlich weitergeht."

Und das tut es. Dabei kann man mit jedem Release von Todd Bodine neben der Handschrift des jeweiligen Labelmachers seine musikalische Entwicklung verfolgen. Von detroitig Housigem auf Tongut über technoid und vom Auflegen in Tresor und Globus geprägten minimaleren Tracks auf Rampe D bis zu den letzten Releasen auf Highgrade und Morris Audio City Sport, die beide Ansätze verknüpfen zu scheinen. So besticht gerade sein Track auf Highgrade durch ein trocken marschierendes Grundgerüst plus vorsichtig eingesetzte Melodie-Elemente, die manchmal etwas Retro-Artiges durchscheinen lassen, aber so scharf und genau austariert sind, dass an flächige Versuppung nicht zu denken ist. Auf einen Nenner gebracht - Tech-House. Das, was alle spielen und hinterher ist es wieder keiner gewesen? "Das ist halt das, was ich mache, diese Schnittstelle zwischen Techno und House. Ist halt immer schwierig mit den Begriffen, aber das trifft es schon am ehesten. Allerdings versteht da auch jeder was anderes darunter, neulich hat mich jemand im Globus beim Auflegen angesprochen, ob ich nicht mal ein bisschen Tech-House spielen könnte ... Ich liege musikalisch halt genau da, wer sich da anstößt, mein Gott! (lacht)."

Klar auch, dass jemand mit einem ausgeprägten Sinn für Bescheidenheit die Zukunft klar kategorisiert: "Als nächstes kommt eine Maxi auf Tresor, mit einem John Tejada-Mix, danach wieder Sachen auf Morris Audio, Highgrade ... und da gibt es noch ein paar Spinnereien." Spinnereien? "Mal gucken, ob das stilistisch passt, aber ich stehe in Mail-Kontakt mit Cabanne, vielleicht gibt es ja auch mal was auf Telegraph. Oder vielleicht Palette." Tejada, ick hör dir trapsen, wie war denn das mit dem Mix? "Ich hatte ihn irgendwann mal kennen gelernt und hab für die Tresor-Maxi überlegt, wen finde ich musikalisch total geil und wer bringt einen gewissen Bekanntheitsgrad mit (lacht) ... und das ist halt John Tejada. Nachdem das mit dem Label geklärt war, ging alles sehr schnell. CD mit den Daten hingeschickt, eine Woche später konnte ich den Remix von seinem Server runterladen." Dass John Tejada seine Tracks gefallen haben und zum Auflegen haben wollte, erwähnt er dabei mal eben im Nebensatz. Vielleicht sieht da jemand vor lauter Bescheidenheit das eigene Netzwerk nicht? Todd Bodine sollte man auf jeden Fall auf der Liste haben, Tech-House hin oder her, hier ist jemand up and coming.

Text von: Ludwig Coenen | aus: DB 78